Was unterscheidet einen guten von einem schlechten Kommunikator?
- Sandra Künzler

- 2. Okt.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Nov.
Perspektivenwechsel als Superkraft!
Warum Kommunikation über Erfolg entscheidet
Als Executive und Leadership Coach begleite ich seit vielen Jahren Führungskräfte, Unternehmerinnen und CEOs. Immer wieder zeigt sich, die Art und Weise, wie du kommunizierst, entscheidet über Wirkung, Vertrauen und Erfolg.
Ein schlechter Kommunikator verlässt sich auf seine Position, seine Titel oder seine Macht. Er glaubt, dass ein „Weil ich es sage“ ausreicht. Ein guter Kommunikator hingegen versteht, dass Überzeugungskraft entsteht, wenn man die Welt durch die Augen der anderen sieht.
Das klingt einfach, ist aber in der Praxis eine der größten Herausforderungen für Executives und Führungskräfte.

Guter versus schlechter Kommunikator – der entscheidende Unterschied
Ein schlechter Kommunikator …
verlässt sich auf Anweisungen und Hierarchie.
glaubt, dass Position = Einfluss bedeutet.
spricht vor allem über sich selbst, seine Ziele, seine Dringlichkeit.
Ein guter Kommunikator …
stellt Fragen, bevor er Antworten gibt.
sucht nach gemeinsamen Interessen.
betrachtet die Situation konsequent aus der Perspektive der anderen.
Der Unterschied?
Ein schlechter Kommunikator erzeugt Widerstand.
Ein guter Kommunikator schafft ein Commitment.
Beispiel 1
Der Executive, der seine Mitarbeitende überzeugen will
Ein Manager möchte, dass seine Mitarbeitende ein neues Projekt übernimmt. Früher hätte er gedacht, „Ich bin der Chef, ich ordne es an.“
Heute weiss er, wenn er sie nur mit Druck konfrontiert, verliert sie Motivation, Kreativität und vielleicht auch Loyalität.
Also stellt er sich drei entscheidende Fragen:
Was hat meine Mitarbeitende davon?
Was könnte ihr im Weg stehen?
Was wäre ein echtes Win-Win-Ergebnis?
Diese Fragen verschieben den Fokus von
„Ich will, dass du das machst“ hin zu „Wie kann ich dir zeigen, dass dieses Projekt für dich Sinn macht?“
👉 Die Forschung bestätigt, wie schwer dieser Perspektivenwechsel sein kann: Je mächtiger man sich fühlt, desto schlechter gelingt es, die Perspektive anderer einzunehmen.
Mehr Macht = weniger Verständnis.
Darum ist es gerade als Führungskraft wichtig bewusst zu trainieren, die Brille der anderen aufzusetzen.
Beispiel 2
Der Mitarbeitende, der seinen Chef überzeugen will
Drehen wir die Situation um: Ein Mitarbeitender möchte seinen Chef von einer Idee überzeugen. Es ist ein sehr wichtiger Moment, er ist nervös, die Autorität des Chefs wirkt einschüchternd.
Der erste Impuls: Emotionen zeigen, Leidenschaft transportieren. Doch das ist riskant.
Der Chef denkt nicht primär in Gefühlen, sondern in Zielen.
Die entscheidende Frage lautet:„Was hat mein Chef davon?“
Anstatt: "Wie sehr will ich das" oder "Wie fühlt es sich für mich an."
Sondern:
Spart es Zeit?
Verbessert es die Performance?
Hilft es, die Ziele des Vorgesetzten oder des Unternehmens zu erreichen?
👉 Jeder Chef hat eine mentale Abkürzung:„Macht dieser Mitarbeitende mein Leben einfacher oder komplizierter?“
Perspektivenwechsel als Superkraft in der Kommunikation
Warum ist Perspektivenwechsel so wirkungsvoll?
Er baut Vertrauen auf. Menschen fühlen sich gesehen.
Er schafft Klarheit. Wenn ich deine Welt verstehe, kann ich meine Botschaft anpassen.
Er steigert Wirksamkeit. Argumente treffen genau dort, wo sie relevant sind.
Ein schlechter Kommunikator verliert Energie in Reibungen und Missverständnissen. Ein guter Kommunikator spart Energie, weil er ein Win-Win sucht.
Praktische Leitfragen für Executives
Wenn du mit deinem Vorgesetzten sprichst:
Welche Ziele verfolgt er oder sie aktuell?
Welche KPIs oder Ergebnisse sind besonders wichtig?
Wie erleichtert meine Idee den Alltag oder unterstützt seine/ihre Prioritäten?
Wenn du mit Mitarbeitenden im Gespräch bist:
Welche Herausforderungen nehmen sie wahr?
Welche Ressourcen fehlen ihnen?
Wie kann ich zeigen, dass ein Projekt auch für sie Vorteile bringt?
Wenn du mit Kollegen oder Peers kommunizierst:
Welche Zwänge oder Abhängigkeiten stecken auf der anderen Seite?
Wo gibt es echte Win-Win-Potenziale?
👉 Perspektivenwechsel ist eine Superkraft im Leadership, und sie lässt sich trainieren.
Am Ende geht es immer darum Klarheit, Ideen und Vorteile aufzuzeigen anstatt Beschwerden, Drama und Reibereien.
Als Executive Coach helfe ich Führungskräften, ihre Kommunikation so zu gestalten, dass sie Wirkung entfaltet und zwar auf Augenhöhe.
Denn als erfolgreiche Führungskraft zählt nicht nur, was du sagst, sondern wie du andere dazu bringst, es zu hören, zu verstehen und umzusetzen.
👉 Frage an dich: Welche Situation in deiner letzten Woche hättest du anders lösen können, wenn du konsequent die Perspektive der anderen eingenommen hättest?
Weitere Artikel zum Thema Kommunikation: Warum du als Leader die richtigen Fragen stellen solltest.