top of page
  • AutorenbildSandra Künzler

Vertraue deinem Instinkt, aber folge deiner Intuition.


Intuition und Instinkt mögen wie dieselben Begriffe erscheinen. In der Tat verwenden viele diese Begriffe als Synonym. Aber sie unterscheiden sich in wesentlichen Punkten.


Ein Instinkt ist eine angeborene Verhaltenstendenz, die durch die Evolution geprägt wurde, um das Überleben und die Fortpflanzung zu sichern, und zwar meist im gegenwärtigen Moment. Unsere instinktiven Verhaltensweisen werden als Reaktion auf bestimmte Umweltreize ausgelöst.


Instinkte sind psychologische Prozesse, die von den ursprünglichsten Regionen unseres Gehirns gesteuert werden.


Beispiele für instinktives Verhalten

  • Atmen

  • Körpersprache

  • Hunger

  • Ausspucken von z.B. bitteren Lebensmitteln

  • Reflex der Hand beim angreifen von heissen Objekten

Bei keinem dieser Verhaltensweisen musst du selbst denken. Es sind ausgeprägte und automatische Verhaltensweisen.


Instinkt ist nicht gleichbedeutend mit Fähigkeit oder Gewohnheit. Während man von jemandem, der geschickt ist, oft sagt, er verhalte sich instinktiv, meinen wir damit eigentlich, dass er so viel geübt hat, dass seine Reaktion instinktiv richtig erscheint.


Soldaten zum Beispiel durchlaufen ein intensives Training, so dass viele ihrer Reaktionen automatisch oder "instinktiv" werden können. Das ist auch das Ziel des mentalen Trainings, du lernst neue Muster und Automatismen, trainierst diese so lange bis sie in deinem Unterbewusstsein verankert sind und wie ein Programm auf einer Harddisk automatisch ablaufen.


Intuition ist diese leise, innere Stimme, die uns ohne ersichtlichen Grund sagt, was richtig oder falsch ist.


Sie ist nicht greifbar oder messbar, sie ist unser innerer Kompass.

Intuition vom lateinischen intuitio, genau anschauen, erkennen, bedeutet unbewusst, bekannte Muster wiederzuerkennen.


Intuition basiert auf Erfahrungen, Wissen und unbewussten Verarbeitungsprozessen. Es ist unsere Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, ohne die genauen Gründe dafür zu verstehen. Es fühlt sich einfach richtig an. Die Intuition kann uns helfen, komplexe Situationen zu verstehen, ohne dass wir sie bewusst analysieren müssen.


Der Psychologe Gerd Gigerenzer beschreibt Intuition in seinem Buch „Bauchentscheidungen – Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition“ wie folgt:

Intuition ist ein Urteil, das plötzlich im Bewusstsein auftaucht und dessen zugrundeliegende Ursache nicht ganz klar ist. Nichtsdestotrotz sei, das auf Intuition beruhende Urteil stark genug, um danach zu handeln.


Auch wenn Intuitionen scheinbar aus heiterem Himmel auftauchen, sind sie das Ergebnis unbewusster Denkprozesse, die zu schnell sind, als dass der bewusste Verstand sie wahrnehmen könnte.


Intuition ist im Grunde eine Abkürzung, die uns hilft, auf der Grundlage unbewusster Informationen schnelle Entscheidungen zu treffen.


Intuition ist alles andere als irrational. Man weiss inzwischen, dass intuitive Entscheidungen auf Erfahrungen und Wissen aus dem Langzeitgedächtnis basieren. Die Hirnforschung zeigt, dass Gefühle und Körperempfindungen ein immenser Wissensspeicher auf dem Weg zu einer guten Entscheidung sind!


Beispiele für Intuition

  • Gute oder schlechte Vibes von Menschen empfangen

  • Einsicht in die Lösung eines Problems

  • Ein Bauchgefühl für ein neues Projekt haben

  • Die plötzliche Gewissheit, dass etwas nicht stimmt, obwohl äusserlich alles normal erscheint.

  • Das Gefühl, dass man jemandem vertrauen kann, auch wenn man die Person kaum kennt.

  • Die Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen und ungesagte Emotionen bei anderen zu erkennen.


Das beste Beispiel dafür, wie Instinkt und Intuition zusammenkommen, ist die Körpersprache. Körpersprachliche Gesten sind instinktives Verhalten, während das Lesen von Körpersprache meist intuitiv ist.


Wenn du auf deine eigene Intuition vertrauen kannst, hast du viele Vorteile. Wenn du beispielsweise eine schnelle Entscheidung fällen musst, bleibt keine Zeit für komplexe Kosten-Nutzen-Kalktulationen. Hier weist dich deine Intuition auf den richtigen Weg.


Sie gibt dir auch Sicherheit in zwischenmenschlichen Beziehungen, wem kannst du vertrauen und wer belügt dich. Wir analysieren nonstop unbewusst Mimik und Gestik und sogenannte Mikroexpressionen und verknüpfen sie mit alten Erfahrungen. Wir spüren unbewusst, wenn etwas stimmt oder eben nicht.


Wie kann ich lernen meiner Intuition zu vertrauen?


Woher weisst du ob es deine Intuition ist oder deine Angst oder Selbstzweifel, die sprechen?

Die Intuition ist fehleranfällig und kann zu vorschnellen Schlüssen führen. Deshalb ist es essentiell ein Gefühl für die eigene innere Stimme zu entwickeln und eine gesunde Balance zwischen einer rationalen und intuitiven Denkweise zu finden.


1. Sei achtsam und höre dir zu

Viele Menschen sind so beschäftigt mit ihrem Alltag und mit dem, was um sie rum passiert, dass sie ihre eigene Stimme nicht hören, und nicht in der Lage sind ihre eigenen Gefühle zu benennen. Im Coaching schauen wir uns z.B. Glaubenssätze an, die sich täglich mehrmals zeigen, und uns nicht selten daran hindern, unsere Ziele zu erreichen. Es gibt immer wieder Menschen, die mir sagen, sie hätten keine solchen Gedanken, weil sie ihre innere Stimme nicht hören. Deswegen ist der erste Schritt dich in Achtsamkeit zu üben, beispielsweise mit Meditation. Checke täglich ein und nimm deine Gedanken und Gefühle bewusst wahr.


2. Spüre deinen Körper

Deine Intuition macht sich in deinem Körper bemerkbar. Sie verleiht dir Bauchschmerzen, Gänsehaut oder lässt deinen Atem flacher werden. Unser Körper sendet dir bei jeder Begegnung ein Signal, er warnt dich, weil er dich schützen will oder sagt, alles ok.


3. ME-time und Stille

Wann warst du das letzte Mal alleine zu Hause und hast das gemacht, wonach dir in diesem Moment ist?

Viele Menschen können nicht alleine sein, nur mit ihren Gedanken ohne Ablenkung, weil sie Angst haben, sich mit ihren Gefühlen auseinanderzusetzen. Gerade sogenannte "negative" Gefühle, die du tief in dir vergraben hast und immer schön den Deckel drauf lässt, müssen beachtet werden, denn sie sind der Ursprung deiner Probleme. Es gibt kein gut und schlecht, jedes Gefühl hat seine Berechtigung und will dir etwas sagen.


Du wirst dich viel besser kennenlernen, wenn du auf deine innere Führung hörst. Nimm dir einmal einen Abend bewusst Zeit für dich und höre in dich rein. Was brauchst du jetzt? Worauf hast du jetzt wirklich Lust? Was tut dir gut?


Ruhe und Stille sind die Basis, solange es in dir brodelt und du von Reizen überflutet wirst, kannst du deine innere Stimme nicht hören. Es ist so wie wenn du in einem Club mit deinem singenden Freund eine ernsthafte Konversation führen möchtest.


4. Der erste Gedanke

Folge dem ersten Gedanken, er entspringt aus deinem Innersten, er ist diese zündende Idee! Der Verstand schaltet sich meist erst kurz danach ein und versucht dir deine Idee auszureden mit Sätzen wie:


"Das kannst du sowieso nicht"

"Du musst deine Rechnungen bezahlen, du kannst deinen Job nicht kündigen und ein Unternehmen gründen"

"Das ist viel zu gefährlich"


5. Übe bei Entscheidungen ohne folgeschwere Konsequenzen

Lasse an einem Tag bewusst deine Intuition entscheiden, was du zum Lunch isst, ob du mit dem Fahrrad oder der S-Bahn zur Arbeit fährst, oder ob du an der linken oder an der rechten Kasse anstehst im Supermarkt.


Im Mental Coaching arbeite ich zu grossen Teilen mit dem Unbewussten. Du lernst deine Achtsamkeit zu trainieren, limitierende Muster zu erkennen und eben auch deine innere Stimme zu hören und dich von ihr lenken zu lassen. Manchmal gibt es keine Facts oder Zahlen, die dir sagen, wie du dich entscheiden sollst. Die Intuition ist in vielen Situationen ein guter Ratgeber. Leider haben wir in der westlichen Welt verlernt auf unsere innere Stimme zu hören und versuchen alles rational zu erklären. Du bist kein Roboter, der nach strengen Algorithmen funktioniert, sondern ein komplexes Wesen mit Gedanken, Emotionen und Erfahrungen, welches die Welt mit seinen fünf Sinneskanälen wahrnimmt und sich damit ein Abbild der Welt kreiert.


Ich hoffe, ich habe dir mit diesem Artikel geholfen und freue mich wenn du auch mir hilfst, und diesen Artikel mit deinem Netzwerk teilst.

コメント


bottom of page