• Sandra Künzler

Glaubst du alles, was du denkst?

Wir neigen dazu, dem zu vertrauen, was in unseren Köpfen vor sich geht. Denn wenn man seinem eigenen Gehirn nicht trauen kann, worauf kann man dann vertrauen?

Im Allgemeinen ist das eine gute Sache - unser Gehirn ist so verdrahtet, dass es uns vor Gefahren warnt, und Lösungen für die Probleme findet, denen wir jeden Tag begegnen.


Es gibt jedoch einige Gelegenheiten, bei denen du das, was dein Gehirn dir sagt, in Frage stellen solltest. Es ist nicht so, dass dein Gehirn dich absichtlich belügt, aber es entwickelt im Laufe der Zeit einige falsche oder nicht hilfreiche Verbindungen.


Man spricht von kognitiven Verzerrungen, die wir alle erleben. Hast du schon einmal gedacht, dass du bei einem Vorstellungsgespräch oder einer Präsentation in der Schule schlecht abgeschnitten hast, dann aber am Ende mit Bravour bestanden hast? Das war dein Verstand, der dich in die Irre geführt hat.


Das Erkennen dieser verzerrten Gedanken kann dir helfen, sie umzukehren.


Was sind kognitive Verzerrungen?


Das menschliche Gehirn ist fehleranfällig und nutzt oft Abkürzungen oder Automatismen, um zu einer Entscheidung zu gelangen. Kognitive Verzerrungen sind voreingenommene Sichtweisen, die wir auf uns selbst und die Welt um uns herum haben. Es sind irrationale Gedanken und Überzeugungen, die wir mit der Zeit unbewusst verstärken.


Diese Denkmuster und -systeme sind oft sehr subtil, und sie basieren nicht auf Fakten - es ist schwierig, sie zu erkennen, denn sie sind ein fester Bestandteil unserer täglichen Gedanken. Da sie unbewusst statt finden, ist es schwer etwas zu ändern, da man gar nicht erkennt, dass man etwas ändern muss!

Das Resultat ist, dass man die Dinge negativer sieht, als sie wirklich sind.


Jeder Mensch verfällt gelegentlich in kognitive Verzerrungen. Das passiert vor allem, wenn wir uns schlecht fühlen.


Beschäftigt man sich allerdings zu häufig mit negativen Gedanken, kann das die psychische Gesundheit beeinträchtigen.


Kognitive Verzerrungen gibt es in vielen Formen, hier einige Beispiele:


1. Confirmation Bias

Eine der stärksten Verzerrungen überhaupt ist unsere Tendenz, das, was wir bereits glauben, auch weiterhin glauben zu wollen. Diese zentrale Verzerrung wird Bestätigungs-Bias, auf Englisch "Confirmation Bias", genannt. Ohne, dass wir es merken, suchen und deuten wir Informationen so, dass sie in unser bestehendes Bild passen.

2. Wahrheitseffekt

Das kommt dir bekannt vor, also stimmt es? Diesen systematischen Denkfehler macht sich die Werbung zunutze. Denn je häufiger Menschen die gleiche (Marken-) Botschaft hören, je mehr Wahrheitsgehalt sprechen sie ihr zu.


3. Desirability Bias - Wunschdenken


Nur weil du möchtest, dass etwas wahr ist, heisst das noch lange nicht, dass es auch so ist.

Frag dich, was möchte ich gerne wahrhaben?


4. Filtern

Mentales Filtern bedeutet, alle positiven Aspekte einer Situation auszublenden und sich stattdessen auf die negativen Aspekte zu konzentrieren.


Selbst wenn dein Chef dich im Performance Review mehrmals lobt, aber am Ende einen einzigen Verbesserungsvorschlag macht, verlässt du das Meeting mit einem schlechten Gefühl und grübelst den ganzen Tag über diesen einen Vorschlag nach.


5. Schuldzuweisungen

Die klassische Opferrolle! Schuldzuweisung bedeutet, andere für die eigenen Gefühle verantwortlich zu machen.


Diese kognitive Verzerrung äussert sich in der Regel in der Aussage: "Du bist schuld daran, dass ich mich schlecht fühle". Doch selbst wenn andere verletzende Verhaltensweisen an den Tag legen, hast du in den meisten Situationen immer noch die Kontrolle darüber, wie du dich fühlen willst.


Die Verzerrung kommt daher, dass du glaubst, dass andere die Macht haben, dein Leben zu beeinflussen, scheinbar mehr als du selbst.


6. Voreilige Schlüsse ziehen - Gedankenlesen


Die Verzerrung "voreilige Schlüsse" äussert sich in der unzutreffenden Annahme, dass wir wissen, was eine andere Person denkt. Natürlich ist es möglich, eine Vorstellung davon zu haben, was andere Menschen denken, aber diese Verzerrung bezieht sich auf die negativen Interpretationen, zu denen wir springen.


Wenn Sie einen Fremden mit einem unangenehmen Gesichtsausdruck sehen und daraus schliessen, dass er etwas Negatives über Sie denkt, ist dies ein Beispiel für diese Verzerrung.


Wie man kognitive Verzerrungen und negatives Denken stoppt


Die meisten irrationalen Denkmuster lassen sich umkehren, wenn man sich ihrer bewusst ist. Das gilt auch für negatives Denken.


Denke daran, dass es in vielen Fällen nicht die Ereignisse, sondern deine Gedanken sind, die dich aufregen.


Vielleicht kannst du die Ereignisse nicht ändern, aber du kannst daran arbeiten, deine verzerrten Gedanken umzulenken.


Hier sind einige Tipps:


1. Suche nach positiven Aspekten

Verändere deine Perpektive und suche für jede Situation mindestens drei positive Aspekte.


2. Gibt es Beweise für deine negativen Gedanken oder ist es nur deine Meinung?

Bevor du eine Schlussfolgerung ziehst, solltest du dich selbst fragen, ob dies Fakten basiert ist, oder ob es sich lediglich in deinem Kopf so abspielt.


3. Mach dir Gedanken über deine Gedanken

Schlaf eine Nacht über deine Entscheidung, hinterfrage sie kritisch. Was, wenn deine Annahmen und Überzeugungen falsch sind? Halte einfach mal das Gegenteil für wahr.



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