• Sandra Künzler

Coaching boomt – Woran erkennt man einen guten Coach?

Immer mehr Coaches streiten sich auf dem Markt um den begrenzten Kuchen, den es zu verteilen gibt. Da das Berufsfeld und die notwendigen Qualifikationen nicht klar umrissen sind, haben es Führungskräfte, Unternehmer und generell angehende Coachees schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen. Deswegen liegt es mir am Herzen Licht ins Dunkel zu bringen, und genauer zu erklären, welche Kompetenzen, Qualitäten und Fähigkeiten ein guter Coach mitbringen sollte.


Coach ist kein geschützter Titel und deswegen kann sich jeder Coach nennen, wenn er denkt, sich für die Tätigkeit zu qualifizieren.


Ein Coach unterstützt seine Klienten darin ein bestimmtes Ziel zu erreichen oder eine Lösung für ein Problem zu finden, auch die persönliche (Weiter-) Entwicklung, Verhaltensänderung und Potentialentfaltung sind beliebte Coaching Themen.


Wer als Executive und Business Coach tätig hat idealerweise eine praxiserprobte wirtschaftliche und psychologische/ pädagogische Doppelqualifikation.

Wirtschaft­liches Know-how hilft, die Zusammenhänge im Unternehmen zu verstehen, die psychologische Kompetenz, den einzelnen Menschen in seiner Individualität zu erkennen. Darüber hinaus braucht es eine gereifte Persönlichkeit, eine professionelle Haltung und natürlich auch grundlegende methodische und kommunikative Fähigkeiten. Häufig wird der Schwerpunkt zu sehr auf Techniken gelegt, aber Techniken sind nur das Werkzeug und wirken in erster Linie durch die Persönlichkeit und die Haltung des Coaches. Hier liegen bei vielen Coaches die Defizite.


Persönlichkeit

Ein guter Coach bildet sich stetig weiter, kennt Höhen und Tiefen im Leben und begegnet seinen Coachees auf Augenhöhe. Zu den Kernkompetenzen zählen Einfühlungsvermögen, Neugierde und Kreativität, systemisches Denken, die Bereitschaft zur Konfrontation und die Fähigkeit, den Menschen abzuholen und neue Perspektiven zu eröffnen. Eine professionelle Haltung setzt voraus, den Klienten darin zu unterstützen, seinen “eigenen Weg” zu entwickeln. Ein Coach ist kein Berater!


Ziele definieren und Zusammenarbeit klären

Der Coach und der Coachee sind ein Team und stellen ein Arbeitsbündnis her. Das Kennenlerngespräch dient dem gegenseitigen Kennenlernen, dem Klären der Ziele für das Coaching, und dem Definieren des ungefähren finanziellen und zeitlichen Rah­mens. Im Coaching geht es für den Klienten darum seine Ziele zu erreichen, Lösungen für Probleme zu finden oder sich weiterzuentwickeln. In der Regel ist das kein einmaliges Ereignis, sondern ein Prozess, der eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt (meist Monate).


Gute Beziehungsqualität: Rapport und Empathie

Gute Coaches legen viel Wert auf eine vertrauens- und respektvolle Beziehung mit ihren Coachees. Sie handeln emphatisch und geben dem Coachee das Gefühl verstanden zu werden.


Einfühlungsvermögen ist die Grundlage für eine gute Beziehungsqualität im Coaching. Als aktiver Zuhörer ist der Coach neutral und urteilt nicht. Authentisches und aufrichtiges Interesse an den Problemen und Zielen des Coachees zu zeigen, statt an einer bestimmten Agenda oder Fragefolge festzuhalten gehören ebenso zu den Fähigkeiten eines guten Coaches.


In der Sitzung wird gemeinsam an neuen Lösungen, Impulsen, Inspirationen und Ideen gearbeitet und es werden konkrete Massnahmen definiert, die als nächstes notwendig sind, damit der Coachee seinem Ziel ein Stück näher kommt. Das klingt in der Theorie oft sehr einfach und logisch, aber in der Praxis warten (unvorhersehbare) Hürden, Reaktionen, Ablenkungen, Routinen und Muster auf den Coachee, welche die Umsetzung oft schwieriger machen als vermutet. Um diese Hürden zu überwinden, werden Ressourcen und Fähigkeiten (wieder) entdeckt oder neu entwickelt, die für dieses Vorhaben wichtig sind.


Fragen über Fragen

Die Fähigkeit die richtigen Fragen zur richtigen Zeit zu stellen ist ein weiteres Qualitätsmerkmal von guten Coaches. Die richtigen Fragen helfen dem Coachee sich über seine Ziele klar zu werden, alte Muster durch neue Denkweisen zu ersetzen und seine Perspektive zu verändern.


Feedback Kultur

Feedback sollte niemals arrogant und von oben herab gegeben werden. Es geht nicht darum dem Klienten zu zeigen, dass man es selbst besser weiss und der Experte ist. Gutes Feedback ist relevant, klar formuliert, konstruktiv, lösungsorientiert, positiv und motivierend.

Auch den Coach selbst bringt konstruktives Feedback weiter, denn es hilft dabei das eigene Angebot noch besser zu machen. Schliesslich ist niemand perfekt und man lernt nie aus. Ebenso ist es sinnvoll, regelmäßig eine Zwischen-Bilanz zu ziehen und mit dem Coachee gemeinsam zu überprüfen, wo er im Hinblick auf seine definierten Ziele steht. Sonst passiert es leicht, dass man sich in Alltagsthemen verliert und nicht von der Stelle kommt.


Wie finde ich den richtigen Coach?

Nach Empfehlungen umhören oder bei Coaching Verbänden zu recherchieren ist auf jeden Fall hilfreich. Das Wichtigste: der Coach muss zu einem passen. Es braucht ein gewisses Mass an Sympathie, eine gute Kommunikation und das Gefühl, dass der Coach einen wirklich herausfordern und unterstützen kann.