top of page
  • AutorenbildSandra Künzler

Der Perfektionist und das schwache Selbstwertgefühl

Viele Menschen erachten es als Kompliment, wenn sie als Perfektionist bezeichnet werden. Es kann ja nichts Schlechtes daran sein, wenn man sich mit den Besten misst und die höchsten Massstäbe an sich selbst setzt. Das Streben nach guten Resultaten und Perfektion ist wichtig und unterstützt unser Wachstum und unsere Weiterentwicklung im Leben. Allerdings gibt es verschiedene Gründe, die dazu führen, dass dieses Streben zum Selbstzweck wird. Es gibt einen Unterschied zwischen dem gesunden Streben nach Exzellenz und Perfektion und dem zwanghaften Perfektionismus.


Die treibende Kraft hinter Perfektionismus ist häufig Angst: Versagensängste, Kritik, nicht geliebt und akzeptiert werden. Ein häufiger Antrieb ist auch die externe Bestätigung und Anerkennung, die Menschen dazu verleitet, sich in zwanghaft perfektionistischem Verhalten zu verlieren. Perfektionisten binden ihre Identität und ihren Selbstwert häufig an externe Faktoren. Sie definieren sich und ihren Wert über Ihre Leistung und verurteilen sich bei Fehlern. Der Perfektionismus dient häufig als Maske oder Schutzschild vor Kritik.


Perfektionismus führt u.a. zu

  • Prokrastination, also aufschieben bestimmter Aufgaben, aus Angst sie nicht perfekt lösen zu können.

  • Entscheidungsschwierigkeiten, aus Angst, die falsche Wahl zu treffen

  • Sich innerlich getrieben fühlen, immer mehr tun zu müssen, und damit nie am Ziel anzukommen

  • Selbstvorwürfe und Schuldgefühle bei Fehlern

  • Quälende Gedanken, wie "nur wenn ich perfekt und fehlerlos bin, verdiene ich Liebe und Anerkennung"

Ein gesundes Selbstwertgefühl sorgt für innere Zufriedenheit


Je stärker und stabiler unser Selbstwertgefühl ist, desto weniger Angriffsfläche hat der Perfektionist in dir. Das Selbstwertgefühl ist das Gefühl für den eigenen Wert, nicht zu verwechseln mit Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein.


Wie bewertest du dein Selbstwertgefühl?

Orientierst du dich an Massstäben und Vorbildern, die dir in der Kindheit mitgegeben wurden, und eventuell gar nichts mit dir und deiner Persönlichkeit zu tun haben?

Bist du getrieben von der ständigen Angst nicht zu genügen, und machst deinen Wert an überhöhten Ansprüchen fest?


Perfektionismus ist eine Form von Selbst-Sabotage. Selbst-Sabotage liegt vor, wenn wir uns körperlich, geistig oder emotional selbst schädigen oder unseren eigenen Erfolg und unser Wohlbefinden absichtlich behindern, indem wir unsere persönlichen Ziele und Werte untergraben. Dies passiert entweder bewusst oder unbewusst.


Die Ursache zu finden und auslösende Gedanken zu erkennen, ist ein wesentlicher erster Schritt zur Veränderung von Selbst-Sabotagemustern. Die Selbsterkenntnis leitet den Prozess der Selbstbeobachtung ein und hilft dabei, toxische Gedanken und ihre Ursprünge zu identifizieren. Diese Auslöser werden oft von einer intensiven oder untypischen emotionalen Reaktion begleitet.


Menschen, die ihre Stärken kennen und einen gesunden Selbstwert besitzen, haben die Fähigkeit sich selbst mit all ihren Stärken und Schwächen anzunehmen und zu schätzen. Ihr Selbstwert gründet auf einer breiteren Basis, die aus der Kombination verschiedenster Qualitäten besteht.

Um den ungesunden Perfektionismus abzulegen, ist es deshalb sehr hilfreich, wenn du dich selbst in deiner gesamten Persönlichkeit besser kennenlernst, und deinen Selbstwert nicht nur an einzelnen Faktoren, wie zum Beispiel dem Beruf, festmachst. Eine regelmässige Selbstreflexion, also das eigene Denken, Handeln und Fühlen ehrlich und kritisch zu hinterfragen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, ist deshalb enorm wertvoll. Selbstreflexion ist auch die Grundlage für kontinuierliches Wachstum und Zufriedenheit.


Übertriebener Perfektionismus ist ein Spielverderber und Erfolgsverhinderer. Viele Perfektionisten stehen sich selbst im Weg.


Die gute Nachricht ist, dass es möglich ist sich zu ändern und alte Muster mit neuen Strategien zu ersetzen. Der erste Schritt ist Selbstakzeptanz. Dazu gehört auch die Annahme und Akzeptanz der eigenen Unvollkommenheit und Fehlerhaftigkeit.


Das Selbstbewusstsein, also sich seiner Stärken und Schwächen bewusst zu sein und zu wissen, was ich mir zutrauen kann, und wo meine Grenzen liegen, ist ein weiterer Schritt.


Auch das Selbstvertrauen spielt eine wichtige Rolle. Wenn du keinen Zweifel an deinem Selbstwert hast, wirkt sich dies auch auf dein Selbstvertrauen aus und du hast dementsprechend ein charismatisches Auftreten und strahlst Sicherheit aus. Da viele der überhöhten Ansprüche und Erwartungen an dich selbst, den Ursprung in deiner Kindheit haben und tief in dir verankert sind, ist es nachvollziehbar, dass sich alte Muster und Gewohnheiten immer wieder einschleichen können.

Hier kann es hilfreich sein, sich Unterstützung von einem Coach zu holen, damit du deine limitierenden, unbewussten Muster erkennnst, weiterhin dranbleibst, und dich nicht von Rückschlägen entmutigen lässt. Rückschläge und Hindernisse sind die besten Learnings, um deine Imperfektion zu akzeptieren!


Keiner von uns ist perfekt, und dennoch hat jeder wertvolle Stärken und Talente!

Perfectly imperfect!







Comments


bottom of page